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Ernährung
Abschlussbericht Karlsruher Ernährungstage 2006

Mannheim/Karlsruhe - Wer reichlich Obst und Gemüse verzehrt und dafür kalorienreiche Nahrungsmittel von seinem Speiseplan streicht, hat gute Chancen, sich vor verschiedenen ernährungsbedingten Erkrankungen effektiv zu schützen. Kurz zusammengefasst lautet so das Ergebnis des wissenschaftlichen Austausches über die Evidenz der Ernährungsempfehlung "5 am Tag" anlässlich der 10. Karlsruher Ernährungstage, die gestern endeten. Organisiert wurde der Kongress von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel mit Unterstützung der Weltgesundheits-organisation WHO.

Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfall sowie Osteoporose liegen inzwischen überzeugende Studienergebnisse über die Wirkung der vielfältigen Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse vor. Allein Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in der Europäischen Union für 41 Prozent der Todesfälle verantwortlich, so eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Eine obst- und gemüsereichere Kost kann darüber hinaus dem in Gesellschaften mit westlichem Lebensstil zu beobachtenden Trend zu Übergewicht stoppen.

Neben überzeugenden Forschungsergebnissen über die risikosenkende Wirkung von Obst und Gemüse bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall, die von Professor Lydia Bazzano von der Tulane University in New Orleans am Sonntag in Karlsruhe präsentiert wurden, gibt es auch für andere ernährungsbedingte Erkrankungen deutliche Hinweise auf eine schützende Wirkung. Professor Miguel Martinez-Gonzales von der Universität Navarra beantwortete die Frage, ob Obst und Gemüse ein wichtiger Weg zur Blutdrucksenkung seien, in seinem Vortrag mit einem klaren Ja. Um diesen Effekt zu erzielen, sei es jedoch wichtig, gleichzeitig auf fetthaltige Nahrungsmittel zu verzichten beziehungsweise deren Verzehr herunterzuschrauben.

Osteoporose: Vor allem Gemüse wichtig in der Prophylaxe

Dr. Helen Macdonald von der Universität Aberdeen präsentierte den aktuellen Forschungsstand der präventiven Wirkungen einer obst- und gemüsereichen Ernährung auf Osteoporose. Diese Erkrankung betrifft allein in Großbritannien jede zweite Frau sowie jeden fünften Mann über 50 Jahre und zieht Behandlungskosten von ca. 1,7 Milliarden englischen Pfund pro Jahr nach sich. Mehrere Studien haben eine positive Wirkung von Obst und Gemüse auf die Gesundheit der Knochen beobachtet, jedoch wisse man noch nicht exakt, welche Nährstoffe genau für diesen Effekt verantwortlich seien. Diskutiert würden unter anderem der hohe Gehalt von Vitamin C und K sowie Folsäure. Insbesondere Gemüse enthalte wichtige Mineralien, die sich positiv auf Knochendichte und -struktur auswirkten. Jedoch sei über die der Osteoporose zugrunde liegenden Stoffwechselprozesse noch zu wenig bekannt, als dass es hier bereits eindeutige Ergebnisse gäbe.

Hoher Forschungsbedarf auch in Zukunft

Bei Krebserkrankungen weisen die vorliegenden Studien auf eine präventive Wirkung eines hohen Obst- und Gemüseverzehrs im oberen Verdauungstrakt hin, so Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährung in Potsdam. Das zunehmende Wissen um die Entstehung von Krebserkrankungen wird in Zukunft auch neuen "Stoff" für Möglichkeiten der Prävention über ein verändertes Ernährungsverhalten liefern.

Nach dem fast dreitägigen wissenschaftlichen Austausch in Karlsruhe steht fest: Angesichts der Fülle an Inhaltsstoffen in den verschiedenen Obst- und Gemüsearten ist der Forschungsbedarf immer noch hoch. Insbesondere bei der Verstoffwechselung der verschiedenen Substanzen sowie der Untersuchung genetischer Einflüsse auf Stoffwechselprozesse sind noch viele Fragen offen.

Ernährungswende - gut für den Einzelnen, gut für alle

Welche Botschaft gibt es für den Verbraucher? Bei den Wissenschaftern besteht mehr denn je Konsens, dass ein hoher Obst- und Gemüseverzehr unbedingt zu einer modernen und genussvollen Ernährung gehört. Die Tatsache, dass diese essentielle Nahrungsmittelgruppe darüber hinaus auch gesundheitsfördernde Wirkungen hat, sollte den Verbraucher nur noch zusätzlich motivieren, häufiger zu Obst und Gemüse zu greifen. "Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfall und bestimmte Krebsarten präventiv anzugehen, müssen wir unsere Ernährung grundsätzlich ändern", so Privatdozent Dr. Bernhard Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe: "Wir brauchen eine nährstoffreichere und zugleich energieärmere Ernährung, und das geht am einfachsten über ein Mehr von Obst und Gemüse."
Professor Bazzano geht noch einen Schritt weiter: Ihrer Meinung nach können wir es uns angesichts des heutigen Forschungsstandes gar nicht mehr leisten, kein oder wenig Obst und Gemüse zu essen.

Sollte die Empfehlung "Fünf Portionen am Tag" also erhöht werden, wie es in einigen Ländern bereits getan wurde? Diese Diskussion kann geführt werden, wenn das Minimum der Verzehrsempfehlung erreicht ist. Dieses liegt für die Weltgesundheitsorganisation bei mindestens 400 Gramm, für die 5 am Tag-Kampagne in Deutschland* bei mindestens 600 Gramm. Hierzulande werden beide Zielvorgaben von breiten Bevölkerungsgruppen, insbesondere jüngeren Menschen, nicht erreicht.


Kontakt:
5 am Tag e.V., Servicebüro, in Kooperation mit der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL)
Petra Huber / Anne Riese
Käfertalerstraße 190
68167 Mannheim
Tel. 0621-33840114
Fax: 0621-33840161
Mail: info@5amtag.de
http://www.machmit-5amtag.de

geschrieben von 5 AM TAG E.V. am 20.10.2006 um 12:25 Uhr.
 

Obst und Gemüse schmecken und machen uns gesünder - Aktuelles aus der Food-Branche und vom Food-Marketing (Druckansicht)